Pfarrkirche St. Michael in Meilenhofen Meilenhofen und Zell an der Speck

Die beiden, nur einen Kilometer auseinander liegenden, Dörfer Meilenhofen und Zell an der Speck bildeten zusammen mit der Sechenfahrtmühle bis 1971 die politsche Gemeinde Meilenhofen. Zwischen den beiden Orten besteht eine enge Verbindung, die sich in historischen, kirchlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen äußert. Sie reicht wohl bis in die Zeiten der Ortsgründung zurück.

Die Entstehung der -hofen-Orte ist in der späten Merowingerzeit (ca. ab 670/680) anzusetzen. Der Ortsname Meilenhofen wird von dem Personennamen Milo abgeleitet, so dass die Ortsbezeichnung Meilenhofen mit "Zu den Höfen des Milo" erklärt werden kann. Ob der Ortsgründer Milo bereits ein Adeliger war, ist uns nicht bekannt, jedenfalls aber setzte in jener Zeit schon der Ortsadel ein. Schriftlich taucht der Name Meilenhofen erstmals in einer Urkunde des Jahres 1194 auf. Domprobst Walbrun übergab den Schottenmönchen bei der Heiligkreuzkirche in Eichstätt (heute Kapuzinerkirche) zur Ausstattung des Hospitals u.a. einen kleinen Hof (curtile) in Meilenhofen.

Zell an der Speck ist jünger als Meilenhofen, es wurde möglicherweise im 10. oder 11. Jahrhundert gegründet. Die Annahme liegt nahe, dass das Gotteshaus in Zell als Coemeterialkirche (Friedhofskirche) von Meilenhofen erbaut wurde (Mitteilung von Dr. Rieder). Der Name Zell (Celle) weist auf einen Klosterhof hin, der als Steinbau errichtet worden war. Speck (von ahd. spaha = Rute; spahahi, spechi = Damm aus Ruten und Erde) bedeutet Knüppeldamm oder Prügelweg. In unserem Fall ist mit der Lagebezeichnung "an der Speck" die Lage des Ortes an der Römerstrasse gemeint. 1239 hatte das Kloster Rebdorf Besitzungen in Zell. In einem Verzeichnis aus der Zeit um 1300 wird Zell als Pfarrei genannt.

Hundert Jahre später inkorporierte Papst Bonifaz IX. die Pfarrei "alias Meilenhofen" der mensa episcopalis, dem "Bischöflichen Tafelgut", d.h. die Pfarrei Meilenhofen musste mit Abgaben für die bischöfliche Tafel in Eichstätt aufkommen. 1305 fiel Meylenhoven nach dem Gaimersheimer Schiedsspruch, der den Streit zwischen dem Eichstätter Bischof und den Bayernherzögen um das Hirschberger Erbe beendete, dem Bischof von Eichstätt zu. Vier Jahre später wurde in einem Vergleich die Sechenfahrtmühle, die an einem alten Schutterübergang (Sechenfurt) liegt, dem Eichstätter Bischof zugesprochen. Meilenhofen und Zell gehörten verwaltungsmässig nicht zum Pfleg- und Katasteramt Nassenfels, wie man wegen der Nähe meinen könnte, Hochgericht, Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Amt der Landvogtei aus, das seinen Sitz auf der Willibaldsburg bei Eichstätt hatte. Landesherr war bis zur Säkularisation und damit bis zur Auflösung des Hochstifts Eichstätt 1802 der Fürstbischof von Eichstätt. 1802 besetzten kurbairische Truppen das Hochstift. Das Untere Stift, zu dem Meilenhofen und Zell gehörten, fiel 1803 an Grossherzog Ferdinand von Toscana, dem Bruder des Kaisers. Nach einem kurzen kurfürstlich-salzburgischen Intermezzo kamen die beiden Orte 1806 an das junge Königreich Bayern. Unter der Herrschaft des Herzogs von Leuchtenberg - er war der Stiefsohn Napoleons und Schwiegersohn des bayerischen Königs - wurden Meilenhofen und Zell an der Speck 1818 zur Realgemeinde zusammengeschlossen.. 1833 fiel das Fürstentum Eichstätt und damit auch die Gemeinde Meilenhofen wieder an Bayern zurück. Mit dem Landgericht Eichstätt kam Meilenhofen 1838 vom Regenkreis zum Rezatkreis, dem vom gleichen Zeitpunkt an in Mittelfranken umbenannt wurde. Nach dem freiwilligen Zusammenschluss mit Nassenfels wurden die beiden Dörfer im Zuge der Gebietreform 1972 oberbayerisch.

Wunibald Iser

Fillialkirche St. Vitus in Zell
Sechenfahrtmühle