Der Fluß, an dem Meilenhofen und Zell liegen, ist nicht die Speck, wie manche meinen, sondern die Schutter. Der Name wird von dem vordeutschen Wort >,skut« abgeleitet, das bedeutet abfließen. Die Römer haben vor 1900 Jahren den Namen »scutara« oder »scuturacc von den Kelten übernommen (vgl. die römische Inschrifttafel rechts neben dem Kirchenportal in Nassenfels!).

In der Riß - Eiszeit war der Talgrund von den Fluten der Urdonau überspült. Die Schutter hatte die Urdonau, die damals dem Wellheimer Tal folgte, angezapft. Einige Jahrzehntausende hindurch floß die Urdonau durch unser Schuttertal. Die Schutter war einst die Lebensader des Tales: Fischwasser, Tränke für das Vieh, das vor dem Bau der Wasserleitung (1958-1960) täglich an die Schutter getrieben wurde, Pferdeschwemme, Arbeitsplatz für die Weiberleut beim Wäscheflan. Sie schenkte den Kindern sommerliche Badefreuden und trieb im alten Gemeindebereich von Meilenhofen drei Mühlen an: die Sechenfahrtmühle (bis 1962 in Betrieb), die Meilenhofener Mühle (bis 1927) und die Zeller Mühle (bis ca. 1977). Zum Meilenhofener Pfarrsprengel gehörten überdies zwei weitere Mühlen: die Bauchenberger Mühle (Ende des letzten Jahrhunderts abgegangen) und die Speckmühle. Der heutige Speckmüller ist noch in Meilenhofen getauft worden. In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts wurde der Lauf der Schutter reguliert und das Schuttermoos drainiert. Manchen Pflanzen- und Tierarten wurde dies zum Verhängnis, sie starben aus. Wunibald Iser

>>Kriminalfälle<<
Pfahl - so nannten unsere Vorfahren den Limes oder eine Römerstraße. Oft genug taucht in unserer Gegend Pfahl oder Pfähl in Verbindung mit Acker oder Holz als Flurname auf. Am Schnittpunkt wichtiger Fernstraßen war um 80 n. Chr. Vicus Scuttarensium (Nassenfels) entstanden. Es gelangte zu wirtschaftlicher Blüte und war Verwaltungssitz für das römische Land zwischen Donau und Limes in der Provinz Rätien. Von Nassenfels führte eine Römerstraße über Zell und den Haselberg nach Biesenhard, Dollnstein und Treuchtlingen. Die Römer waren Meister im Straßenbau. Die heutige Kreisstraße nach Biesenhard verläuft auf der Trasse der alten Römerstraße. Nachdem die Nassenfelser bereits die Bezeichnung Römerstraße für eine Ortsstraße verwendet hatten, entschieden sich die Zeller bei der Neubenennung ihrer Römerstraße für Pfahlstraße. Gleichwohl hätten sie diese Straße auch Nibelungenstraße taufen können, zweifellos ein klingender Name, aber zu Recht, denn die Nibelungen waren auf ihrer Fahrt vom Rhein ins Hunnenland auf der alten Römerstraße über das Sualafeld nach Dollnstein, Zell und Nassenfels zum Donauübergang bei Großmehring gezogen. Wunibald Iser
Was glaubst du wohl mein lieber Christ,wer der geplagteste Mensch auf Erden ist?

Da wird ja wohl die Antwort sein: das arme Dorfschulmeisterlein!

Den ersten Hinweis, daß man in Meilenhofen an Schulbildung denkt, erhalten wir aus einem Visitationsbericht von 1688: »Pfarrer klagt, daß der Mesner weder schreiben, noch lesen kann, daher weder Schule noch Lehrer.« Der Mesner war also in erster Linie ausersehen, den Kindern etwas beizubringen.

In den Visitationsakten von 1699 lesen wir: »Weder Schulhaus noch Lehrer zu sehen. Gemeinde will einen Platz hergeben und Hand- und Spanndienste leisten.« In dem Jahr, in dem das Kastnerhaus im Nassenfelser Schloß errichtet wird, denkt man an einen Schulhausneubau in Meilenhofen. Es sollte noch viel Wasser die Schutter hinunterlaufen. Nach der Pfarrbeschreibung von 1706 hat Meilenhofen 17 Familien, Zell 10, 125 Kommunikanten, 50 Kinder, aber keinen einzigen Schüler. Vier Jahre später hält ein, Schmied Schule, er bekommt dafür aber weder von der Gemeinde noch von der Kirche etwas, sondern instruiert die Jugend aus christlicher Liebe.

Um 1715 versucht der Pfarrer selbst, im Pfarrhof eine Schule einzurichten. Sein Nachfolger gibt den Unterricht aber wieder auf, weil für viele Kinder kein Platz vorhanden ist, er nur Schwierigkeiten und Undank erntet.

In der Folgezeit kommen einige Bewerber um die Lehrerstelle nach Meilenhofen. Meist verschwinden sie wieder nach kurzer Zeit. Der Lehrer hat ein zu geringes Einkommen, weil zu wenig Kinder die Schule besuchen, er hat kein Schulhaus, in dem er wohnen kann, die Gemeinde weigert sich ihm den Hauszins für die Herberge zu zahlen.

1725 kommt es zu einem Voranschlag für ein Schulhaus, aber der Bau wird wieder aufgeschoben, weil auch das Pfarrhaus und die Kirche in Zell zu bauen waren. Die bereits angewiesenen Bauhölzer werden nicht abgeholt.

Im gleichen Jahr erhält Wolfgang Reinle eine Anstellung als Mesner und Schulmeister. Vom geistlichen Gefäll in Eichstätt, das in Meilenhofen den Zehent bezog, werden ihm ein Schaff Korn und 8 fl verabreicht. Als Einkommen werden genannt: 4 fl aus Jahrtagen, Kirchenwäsche und Besoldung, 1 Acker, für 1 Metzen Samen, 2 Wiesenflecklein, kaum 9 Votivmessen jährlich, 4 Taufen, selten Leichen und Hochzeiten, von Zell gar nichts. Für Herbergszins muß der Lehrer 5 fl 40 Kr. bezahlen. Hätte nicht sein Vetter, der Pfarrer von Bergen, mit Getreide, Holz, Geld usw. ausgeholfen, hätte sich der Lehrer nicht halten können. Nach einem Jahr verschwindet er wieder.

Die Misere nimmt kein Ende. Reinles Nachfolger Mathias Hirsch muß, weil er in der Herberge sitzen muß und das Einkommen äußerst gering ist, »mit seinem Weib von Dorf zu Dorf Almosen sammeln.« »Er muß den Bettelstab ergreifen, so das schwerste Holz ist,« schreibt er und will täglich einen Rosenkranz beten, wenn er einen Teil des Opfergetreides an St. Leonhard erhielte. Durch Adam Scheyerer (Scheuerer), ohne Handwerk, Messner und Schulmeister, dem Schreinermeister Hans Schieber seine Wohnung wegen Platzmangel kündigt, wird der Schulhausneubau wieder aktuell. ,Die Gemeinde kauft ein 1716 gebautes »Schneiderhaus« für 275 fl und 5 fl Leihkauf und läßt es instandsetzen (früher Hs.-Nr. 8). 1768 tritt Johann Paul Crusius die Meilenhofener Schulstelle an. Er ist 1753 zum katholischen Glauben übergetreten und hat bereits vier Kinder. Als »Türmergsell« versteht er sich nur auf Instrumentalmusik. Die Not ist groß. Crusius erhält an Schulgeld wöchentlich pro Kind 1 Kreuzer 2 Pfennig und 1 Scheit Holz, von Kindern die nur Lesen lernen, bekommt er 1 Kr. und 1 Scheit. Schulbeginn ist an Allerheiligen, bei schönem Wetter erst an Martini. Bis Weihnachten unterrichtet der 5-6 Kinder, wenn die Bauern ausgedroschen haben, 12-16 Kinder. Gut 30 hätten es sein können. Bei Feiertagen - das waren nicht wenige - blieben die Kinder eine Woche der Schule fern. Wenn der Schnee weggegangen ist, besucht kaum mehr ein Kind die Schule. Um seine Familie zu ernähren, ist Crusius gezwungen, 1778 zehn Wochen mit seiner Tochter auf Wanderschaft bis in die Schweiz zu gehen und auch in Neuburg bei den Jahrmärkten aufzuspielen. Schuldienst überläßt er in der Zwischenzeit seinem 20-jährigen Sohn der in seiner Freizeit Kien und Besen macht, die er zweimal in Neuburg verkauft. Welcher Crusius es war, der beim Einzug eines neuen Pfarrherren dem Geistlichen als einziger entgegenkam, ihm diensteifrig und gefällig beim Einräumen der Möbel half, wissen wir heute nicht mehr. Ein Spruch über dieses Ereignis hat sich bis heute in Meilenhofen erhalten:

»Das Wetter war herrlich, niemand war da, nur der Crusius und der lief barfuß.«

Das >,Schneiderhaus« - es stand westlich des heutigen Maibaums wurde 1972 wegen Baufälligkeit von Hans Reis abgerissen - diente bis 1890 als Schulhaus. Weil es zu klein geworden war, wurde von der Gemeinde ein Bauernhaus angekauft und für schulische Zwecke umgebaut. Dieses Haus versah siebzig Jahre lang seinen Dienst (heute Pfarrgasse 3). Seit 1699 wollten die Meilenhofener nachweislich ein neues Schulhaus bauen. Nach 261 Jahren ist es endlich so weit. Im Dezember 1960 wird nach achtmonatiger Bauzeit die neue Schule am Ostrand des 0rts weiht. Die Freude ist von kurzer Dauer. Neun Jahre später-welche Ironie!- ist das neue Haus bereits überholt. Man verwendet es nach der Schulreform noch einige Jahre für eine ausgelagerte Klasse des Nassenfels Schverbands. Heute wird das Schulhaus nach einem gröber angelegten Umbau als Versammlungs- und Feierstätte für alle Vereine genützt.
Wunibald Iser

Wenn Sie in der Landeshauptstadt München die Prähistorische Staatssammlung besuchen, finden Sie gleich in der ersten Vitrine des ersten Saales Geräte aus der Altsteinzeit. Daneben können Sie den Fundort lesen: »Speckberg bei Meilenhofen, Lkr. Eichstätt«. Der Speckberg, vor der Gebietsreform in der Gemeinde Meilenhofen gelegen, schiebt sich zwischen Zell und Nassenfels von Norden her spornartig in das Schuttertal. Jahrzehntausende hindurch begingen Menschen der Alt- und Mittelsteinzeit das für sie günstige Gelände. Von der Höhe konnten die Jäger das zur Tränke ziehende Wild gut beobachten. Bei den Grabungen in den sechziger Jahren wurde eine Vielzahl von Steingeräten und eine Unmenge von Absplissen geborgen, die bei der Herstellung der Werkzeuge und Waffen entstanden waren (insgesammt über 300000 Steinartefakte). Hergestellt wurden diese Geräte meist aus Hornstein (Silex), die Faustkeile aus Quarzit. Die Funde stammen aus der Zeit zwischen 60000 und 10000 v. Chr. Dem Speckberg kommt besondere Bedeutung zu, weil er die erste ergrabene altsteinzeitliche Freilandstation Süddeutschlands ist. Sie möchten natürlich wissen, was der Name Speck bedeutet. Er kommt in Speckberg, Speckmühle, Zell a.d. Speck, Speckwiese, Maut an der Speck vor. Bei uns gibt es zwar gutes Geräuchertes, aber mit Geselchtem hat der Name nichts gemein, sonst müßte der Ort ja Zell am Speck heißen. Speck bedeutet Knüppeldamm, Prügelweg, in unserem Fall Römersträße.
Wunibald Iser